Future Foto – Matthias Koch

Matthias Koch

www.matthias-koch-fotografie.de

1967 geboren in Bremen. 1990-1995 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf. Seit 1995 Meisterschüler bei Bernd Becher. 1997 Lehrbeauftragter an der Fachhochschule fuer Kunst und Design, Hannover. Seit 2006 Lehrbeauftragter an der Hochschule Niederrhein. Lebt und arbeitet in Düsseldorf.

 

Wo sehen Sie die Zukunft der deutschen Fotografie?

Wünschenswert fände ich es, wenn sich die künstlerische Fotografie neben der Wirklichkeits-Abbildung noch mehr freiere Bild-Erschaffungs-Methoden erobert.

Und wie wichtig ist dabei die Tradition, die Bechers und das Konzept ?

Vermutlich ist es erfrischender für alle Seiten, wenn jüngere Künstler zunächst noch nicht von den alten Positionen ausgehen, sondern erst unbelastet ihre Wege suchen und daraus eigene Konzepte für sich entwickeln.

Ist es möglich, dass nach fast 40 Jahren Treue diese Tradition ausgeschöpft ist ?

Das, was es schon gibt, sehe ich als Angebot, an dem man sich orientieren kann.
In dem man Komponenten davon adaptiert, verwirft oder bekämpft, macht man sich auch die eigene Position klarer.

Was macht die Fotografie zur Kunst?

Die Intention des Künstlers ist für mich das Ausschlaggebende, was (medienunabhängig) Kunst zur Kunst macht:
Welchen Zweck und welches Ziel verfolgt er ?
Was will er sagen, – was mir mitteilen; – … und was erreicht mich ?

Und besonders die Herangehensweise, die die Bechers gelehrt haben?

Die Haltung der Bechers hat uns zwar beeindruckt, – als kopierbares Rezept empfinde ich das aber nicht.

Effektiv bringt einen ja doch die persönliche Mischung aus eigenen Ideen und den Impulsen von Mitstudenten und Lehrern sowie das Wissen um vorherige Kunst voran.

Schaut man sich Fördernetzwerke für Fotografen an, so stellt man fest, dass die ausgewählten Arbeiten oftmals einer bestimmten Linie folgen – das Konzept scheint dabei eine große Rolle zu spielen.

Die Becherklasse z.B. sehe ich nicht als organisiertes Netzwerk unter einem Konzept, sondern als eine fast zufällige Zusammenstellung von Individuen, deren Gemeinsamkeit ersteinmal nur war, dort einen Studienplatz bekommen zu haben.
Daraus haben sich aber Freundschaften gebildet, die hilfreich waren, sich intensiv über die entstehenden Arbeiten auseinanderzusetzen.

Was leisten heutzutage Netzwerke und inwiefern helfen sie Fotografen weiter?

Mich bringt es weiter, einerseits meine Meinung über die Arbeiten von Kollegen zu entwickeln und auszudrücken, – andererseits aber auch meine eigenen Werke schon mal vorab von (wohlwollenden) Künstlerkollegen befragen zu lassen.
So lernt man auch, Kritik als Anregung zu verstehen.

Was rät man jungen Fotografen als Lehrender?

Sinnvoll ist es, das eigene Anliegen einfach begeistert zu verfolgen. Was man macht, ist eigentlich egal, Hauptsache man macht es von Herzen und mit Engagement.

In der Akademie hatte man das ausgesprochene Glück, nicht von einer Studienordnung und auch nur wenig vom Professor vorgeschrieben zu bekommen, was man zu tun hätte.
So kann man besser trainieren, der eigenen Motivation zu folgen.

Was für Chancen hat man als junger Fotograf, wenn man sich nicht in die strenge Düsseldorfer Tradition stellt?

Als junger Künstler ist man wahrscheinlich wenig ambitioniert, sich unter irgendwelche Traditionen stellen zu lassen; – wozu auch ?

Und wie war es in der Becherklasse, wenn man nicht der objektiven Fotografie folgte?

Natürlich gab es auch künstlerische Positionen, mit denen Bernd Becher weniger anfangen konnte.
Aber „objektiv“ versuchte bei uns niemand zu sein.
Jeder hat sich sein ganz eigenes, persönliches Thema ausgesucht, was ihn interessiert, – und hat es auf seine Weise bearbeitet. Und jeder war in sein Thema verliebt; – denn darum geht es schließlich.

Wahrscheinlich gibt es ja gar keine „objektive“ Fotografie; – und manche Künstler bedienen sich nur eines dokumentarischen Stils, – was dann von außen als „objektiv“ angesehen wird.

(Obwohl ich den Ort befrage, wie er am liebsten fotografiert sein möchte, kommen zum Beispiel andere Künstler, die den selben Ort genauso „objektiv“ fotografieren wie ich, dabei oft zu ganz anderen Ergebnissen…)

Alle wissen, dass es keinen Wahrheitsanspruch in der Fotografie gibt und geben kann.
Trotzdem scheint die Fotografie gerade durch diesen zu reizen und als Medium zu bestechten – wie funktioniert das für Sie?

Auf eine andere Weise empfinde ich selber meine Bilder doch als wahr; – für mich jedenfalls als wahrer als die Wirklichkeit. Einerseits, weil ich die Welt in dem Moment tatsächlich so erlebt habe, – vor allem aber, wenn das fertige Bilderlebnis nachher so ist wie ich es will.

Was ist der Anspruch und der Reiz der Fotografie, wenn der Wahrheitsanspruch doch wegfällt?

Der Reiz besteht für mich darin, nicht mehr nur zu reagieren und Fotos als identische Kopie der sichtbaren Realität aufzunehmen, sondern mehr als Interpret agieren zu können und persönliche Bildwelten zu erschaffen. Mit fotografischen Techniken kann man zwar ordentlich Bericht erstatten, aber auch unglaubliche Geschichten erzählen, gefärbte Aussagen treffen und kecke Behauptungen aufstellen.

Wenn früher die Fotografie sagte: „So war es“, – so kann heute das Bild zeigen: „So hätte es sein wollen“.

Es gibt eine Vielzahl von (künstlichen) Trennungen in der Fotografie: Fotografen und Fotokünstler, daneben noch die Fotodesigner. Die “Bildmacher” und die “Bildfinder“, irgendwo dazwischen die Reportage-, Kriegs-, Food-, Lifestyle-, Werbe- und freie Fotografen.
Was macht für Sie den Unterschied zwischen dem alltäglichen Umgang mit einem weit verbreiteten Medium und der Produktion von Kunst aus ? Wie wichtig sind für Sie diese Klassifikationen?
Inwiefern machen diese Unterscheidungen einen Unterschied für Sie?

Mich interessiert am ehesten, für wen man etwas macht: Für jemand Anderen, – den Auftraggeber bzw. den potentiellen Käufer – … oder als Künstler rein für sich selbst.

Wie haben Sie sich in diesen Kategorien gefunden?

Ich bin froh, Künstler zu sein, – denn da entwickele ich nicht nur eine inhaltliche Herangehensweise und muss die handwerkliche Umsetzung meiner Fotoaufgabe vornehmen, sondern formuliere mir überhaupt schon das Thema und die Ziele selber.

Das ist zwar komplexer, – macht mich aber viel glücklicher.

Submit your comment

Please enter your name

Your name is required

Please enter a valid email address

An email address is required

Please enter your message

Magazin

AUSGABEN KAUFEN
nrw-forum.de/shop

Twitter

  • about 2 hours ago

    KRAUTMAGAZIN: Ein Einblick, was Euch am Finale Resonanzräume-Abend erwartet. Helga de la Motte-Haber im Gespräch: http://t.co/f3WLzjM2

  • about 4 hours ago

    KRAUTMAGAZIN: Als das Kind Kind war, machte es kein Gesicht beim Fotografieren. Peter Handke / Wim Wenders - Der Himmel über Berlin

  • about 8 hours ago

    KRAUTMAGAZIN: R e s o n a n z r ä u m e Finalveranstaltung Mittwoch 29. Februar 19.30 Uhr Berger Kirche http://t.co/u0q7HJtE

  • about 20 hours ago

    KRAUTMAGAZIN: radioeins - Homepage http://t.co/GYQjW1VE

  • about 21 hours ago

    KRAUTMAGAZIN: On this day 65 years ago, Polaroid introduced it's instant camera. And life would never be the same again... http://t.co/VsZnqI3r

Krautmagazin © 2012 All Rights Reserved

Designed by WPSHOWER

Powered by WordPress